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Untertitel: Norddeutscher Rundfunk 2015 Aufbruch zu einer ungewöhnlichen Exkursion Fast alle haben sich für diese eine Woche extra Urlaub genommen Der Termin steht seit sechs Monaten fest Alle haben eines gemeinsam: Sie können extrem gut tauchen Klaus Das sind hier Putzlappen Ah ja, hervorragend Einchecken auf dem ehemaligen Fischkutter Überlebenswichtig: der Kompressor Er sorgt für die Luft in den Flaschen Weder Kapitän Karsten Bartel noch alle anderen ahnen: Diese Reise wird anders verlaufen, als sie es sich vorstellen Warte, warte, warte Der eine sitzt im Garten rum Ich fahr halt aufm Schiff mit Ich find das spannender, als im Garten zu sitzen Meint Lokomotivführer Jenner Koch Vom Umweltverband WWF ist Florian Hoffmann dabei Das ist ‘ne Abwechslung von der Tätigkeit im Büro Und es ist die Möglichkeit, die Situation unter dem Wasser live zu erleben Ein bisschen Adrenalin ist immer mit dabei Für die Woche ist die “Seefuchs” gechartert Ihr Ziel: die vielen Wracks rund um Rügen An den meisten haben sich Fischernetze verfangen – “Geisternetze” Tödliche Fallen für Meerestiere in der Ostsee Zunächst geht es darum, herauszufinden, wo und wie viele Geisternetze vor Rügen auf dem Meeresboden liegen 25 Plätze mit Netzen haben sie schon erkundet Jetzt die letzte Tour, bevor sie im Herbst zum ersten Mal losfahren wollen, um Netze rauszuholen Ich bin Biologin Von daher hat man eine große Faszination dafür, was da unten lebt, rumkrabbelt und dergleichen Da findet man immer ganz viel An den Wracks hat man häufig Plätze, wo sich größere Fische verstecken Was man häufig sieht, sind verschiedene Dorsche Wir wollen auch gucken, dass wir die Netze möglichst abbergen Manchmal findet man noch einen Fisch, der lebt Den kann man dann befreien Extra freigenommen hat sich auch der Kapitän und Schiffs-Miteigner Ich habe Navigation studiert, also Handelsschifffahrt Jetzt bin ich Fotograf – seit 15 Jahren ungefähr Knapp 60 Jahre alt ist die “Seefuchs” Das Schiff ist für Extremgebiete gebaut und hat viel Tiefgang Es ist ein Stehaufmännchen Das Schiff kann unheimlich viel ab Es wurden 50 Schiffe gebaut, davon ist keines untergegangen Die Konstrukteure haben damals alle schiffbaulichen Aspekte berücksichtigt Es hat eine organische Form Daher sieht’s auch so schön aus Was heute gebaut wird, sind irgendwelche Blechkisten, schnell zusammengeschweißt Die verhalten sich entsprechend auf See Unter Deck sorgt Maschinist Claus Naumann dafür, dass die alten Ventile nicht schlappmachen Vieles ist hier noch original Zuständig für die Kombüse: Biologiestudentin Carmen Mroz Sie kocht gern Auf dem Speiseplan steht kalorienreiche Kost Taucher verbrauchen eine Menge Energie Heute Mittag gibt’s Reis mit Rahmgeschnetzeltem und Rahmchampignons für die Vegetarier Hat sie schon mal auf einem Schiff gekocht? Nee, das ist das erste Mal, dass ich länger drauf bin Ich hab gedacht, es wäre mehr Platz, den ich hätte Ich hab vorher noch nie für so viele Leute gekocht Deswegen ist es ein doppeltes Abenteuer jetzt Bei schönstem Frühjahrswetter und nach fünf Stunden Anreise: Ihre Bewährungsprobe Da ahnt auch sie noch nicht, was alles auf sie zukommen wird Sieht ja gut aus

Bewährungsprobe bestanden Allen schmeckt’s Vorbei geht es an der Halbinsel Mönchgut im Südosten von Rügen Noch ist ideales Wetter zum Segeln und Tauchen Doch die Wetterprognose für die nächsten Tage hat sich gravierend verändert Expeditionsleiter Thomas Förster ist beunruhigt Es frischt schon ein bisschen auf Ist auch schon mehr, als sie angesagt haben Es wurde für die nächsten vier Tage starker Wind angesagt Wir haben mit der Insel Rügen das Glück, dort immer eine geschützte Stelle zu finden Doch ob da auch Wracks mit Netzen liegen, ist die Frage Jetzt muss Plan B her Thomas Förster, Unterwasser- Archäologe am Meeresmuseum Stralsund, hat ihn auf die Schnelle ausgetüftelt Freunde, folgende Situation: Wir haben ‘ne Sturmwarnung für die nächsten Tage Wir werden bis acht Windstärken haben, aus östlichen und nordöstlichen Richtungen Wir hatten ja vor, uns die nächsten Tage in diesen Bereichen aufzuhalten Auch hier weiter draußen in der AWZ Das wird nichts Das können wir schon mal sagen Heute werden wir noch die “Friedrich Engels” betauchen können Die liegt hier vorne Die Taucher werden zunächst den untergegangenen Fischkutter “Friedrich Engels” untersuchen Der Kapitän muss die Route berechnen So, wie er es gelernt hat Die Expedition ist ein Pilotprojekt vom Naturschutzverband WWF, dem Meeresmuseum in Stralsund und dem Verein Archaeomare Die Ostsee hat es in sich Nicht umsonst liegen hier so viele Wracks Gary Krosnoff, Sporttaucher und Unterwasser-Kameramann Seine Bilder sollen festhalten, wie viele Geisternetze Tiere und Umwelt in der Ostsee gefährden Das Besondere als Filmer ist, der Ostsee die Schönheit zu entlocken Das, was man im Roten Meer von vornherein hat: Bunte schillernde Farben, Sichtweiten bis 50 Meter Da ist dann die Herausforderung, durch die Kamerafahrt ‘ne tolle Aufnahme hinzukriegen In der Ostsee muss man sich jedes Bild hart erarbeiten Die richtigen Farben, Beleuchtung, Einstellungen zu wählen Weil jeden Tag ‘ne andere Voraussetzung im Wasser herrscht Das ist nicht Schönwetter-Tauchen Die Unterwasserfotos macht Wolf Wichmann, Sporttaucher und Wissenschaftsjournalist Vier Seemeilen südöstlich von Sassnitz auf Rügen Die “Seefuchs” hat ihr erstes Ziel fast erreicht: Noch vor Tagesanbruch im Hafen von Sassnitz Die beiden Fischkutter “Einheit” und “Bergen” wollen auf Heringsfang gehen Mit seinen Kollegen fährt Fischer Kalle Neumann raus Dorthin, wo die Heringsschwärme zum Laichen im Frühjahr an der Insel vorbeiziehen Wenn das Wetter stimmt Heute haben wir Bombenwetter Sonnenschein und Blütenduft Keine Schaukelei Hauptsache, die Fischerei wird was Fahrt: gut eine Dreiviertelstunde – rund sechs Seemeilen östlich von Sassnitz Bis vor rund 25 Jahren waren die Fischer allein auf ihre Erfahrung angewiesen Wir haben früher alles nach Seekarte gemacht Wir hatten handgemalte Karten Das hier ist noch eine davon Über Jahrzehnte sind die entstanden Da kann man das Nordpferd sehen, und hier ist die Greifswalder Oie Hier ist die Oderbank

Dazwischen ist unser Fischereigewässer Steine, die wir eingezeichnet haben Die wir durchs Fischen erkundet haben – sonst kann man das nicht Oder übers Echolot Dass man sieht: Hier kommen Steine Dann haben wir die Position eingetragen, Stück für Stück Wie ein Puzzle-Spiel ist das Hat er eine Erklärung dafür, warum an manchen Wracks große Mengen Fischernetze hängen? Die Erklärung ist, dass man damals die Wracks nicht kannte Man ist immer irgendwie erstaunt, dass da was ist Obwohl man ringsum gefischt hat – jahrein, jahraus Dann liegt da ein Wrack – dicht daneben ist auch vorbei Wenn dann das Netz festsitzt und man kriegt’s nicht mehr los, bleibt das da Alles klar, Günni? Ja Beide Fischkutter haben jetzt fast ihre Fanggründe erreicht Gerade erst frisch als Kapitän auf der “Bergen” dabei: Lars Engelke Im Prinzip ist hier unser Kutter Hier ist die “Einheit”, mit der wir zusammen fischen Daneben liegen jetzt schon Hacker, alte Wracks Da müssen wir aufpassen Da müssen wir ringsrum fahren oder am besten vorbei Die Wracks, die die Forscher schon rausgefunden haben, sind hier schon eingetragen Die haben wir schon Wir hacken wirklich ganz selten mal Das kommt irgendwann mal vor Wenn mal ein Anker abgerissen ist, dass wir mal hängenbleiben Aber dass wir unser Netz verlieren, das ist nicht Eingetragen sind aber nur die bislang bekannten Hindernisse Hacker – wie Fischer sagen Auch die modernen Fischereikarten werden immer noch ergänzt, wenn die Fischer einen neuen, auch noch so kleinen Hacker entdecken Die “Seefuchs” ist an der gesunkenen “Friedrich Engels” angekommen Die Boje zeigt den Tauchern, wo das Wrack liegt An der Leine werden sie absteigen Die erfahrensten Taucher gehen zuerst runter: Thomas Förster und Jenner Koch Sie wollen die genaue Lage und die Größe des Geisternetzes feststellen So, fertig. Achtung Auch die Biologin kommt mit Die Herausforderung ist, wenn man erst mal reinspringt und nichts sieht Weiter abzutauchen in der Hoffnung, dass es irgendwann aufklart Das kann einem keiner sagen Wenn bei Grundkontakt keine Sicht da ist, kann man den Tauchgang abbrechen Heute haben sie Glück Erst mal grob skizziert Ihr müsst nur davor schwimmen, und da liegt dieser Netzsack Neben oder auf dem Schiff? Direkt neben dem Schiff Er ist gut zu sehen, es ist blaues Garn mit weißen Kunststoffringen Die Ringe sind da dran Und verschieden dicke Taue Hier siehst du die Verankerung Hier wären die Fenster Hier ist das Klo Das liegt in diesem Winkel, ein bisschen unterm Wrack Die nächsten Taucher sollen Netzproben vom Wrack mitbringen Der Fischkutter “Friedrich Engels” liegt in 17 Meter Tiefe An einem Wrack mit Netzen zu tauchen, ist gefährlich Manche Netze sind fast unsichtbar Thomas sagte gerade, da sind möglicherweise noch Stellnetze, diese feinfädigen Teile Die sieht man oft nicht Take care und Abstand Fische wie dieser Seehase verstecken sich gern in Wracks

Alles Kunststoffnetze 400 bis 500 Jahre dauert es, bis Kunststoffnetze verrottet sind Weil viele Fische an Wracks Unterschlupf suchen, verfangen sie sich in den Netzen Den Geisternetzen, die immer weiter fangen Wie dieser Seeskorpion gehen sie elendig zugrunde 1973 ist der Fischkutter “Friedrich Engels” im Sturm hier untergegangen Florian Hoffmann nimmt Proben vom Netz mit Im Labor soll untersucht werden, aus welchen Kunststoffen es besteht Über den Tauchern ist immer ein Beiboot Es kann im Notfall schnell helfen Die Kunst dabei ist, die Taucher im Auge zu behalten Und dass man sie nicht überfährt Wie ich es sehe, kommen die Taucher wohl zurück Die waren vorher 20 Meter vor der Boje, jetzt kommen sie zur Boje Ich gehe davon aus, dass sie die nächsten fünf Minuten hochkommen Die aufsteigenden Luftblasen zeigen, wo die Taucher gerade sind Wir konnten ‘ne gute Probe bergen Die Sicht war auch gut Jede Menge Netzstücke Die Probenentnahme im Sediment ist etwas schwierig Sobald man das Netz einmal anhebt, löst man eine Riesenwolke aus Da muss man zusehen, dass man sich als Taucher nicht verliert Irgendwann saß Florian nur noch in einer Wolke Ich sah nur noch ab und zu die Lampe schimmern Da haben wir gesagt: Machen wir lieber Abbruch Weil wir nicht wussten, ob er sich verfangen hat oder noch am Arbeiten ist Ich hatte das Messer rausgeholt, um das dicke Tau zu lösen Und hier Angelfäden Die sind das Problem Wenn man sich dahinter verhakt und nichts mehr sieht, weiß man nicht, wie man dem Taucher helfen soll Weil man nicht da rumstochern kann Das sind Angelschnüre Aber diese Stellnetze, die einfädigen, sind noch stabiler Wenn man sich darin verhakt, kommt man nicht wieder raus Das kann das Ende bedeuten Vor allem ist es Plastikmüll Das zersetzt sich langsam, gibt Weichmacher frei, wird dann zu Mikroplastik und geht in die Nahrungskette Das ist das Hauptproblem der Geschichte Das Problem der Taucher ist jetzt erst mal das Wetter Deshalb bricht Kapitän Karsten Bartel schon am Nachmittag auf, um für die Nacht Schutz in Landnähe zu suchen Trotz blauem Himmel bahnt sich nichts Gutes an Das sind Eisbildungen in relativ hohen Luftschichten

Bei gutem Wetter haben wir Schäfchenwolken, Cumuluswolken, die bauschig wie Wattebällchen aussehen Wenn wir diese diffusen Streifen am Himmel haben, heißt das immer: Oh, oh, da könnte was kommen Ein paar Seemeilen weiter weg legt Fischer Kalle Neumann mit seinem Kumpel 50 Meter Grundschleppnetz aus Zum Heringsfang Na, dann komm mal langsam ran * (Funk) Ja, ich komm. * Geschleppt wird gemeinsam Erst mit dem Netz des einen Fischers, dann mit dem des anderen Das Echolot zeigt nur an, was sich direkt unter dem Kutter tut Hier kommt ‘ne Traube So drei, vier Meter gelöst vom Grund Nicht so prickelnd * (Funk) Ja, alles klar. * Zwischen den Kuttern wird das Schleppnetz dicht über dem Grund gezogen Wir sind immer am Suchen Fischer sind immer am Suchen Es ist jeden Tag anders Der Fisch, der schwimmt, hat ja Kopf und Schwanz Das ist auch das Schöne dabei Das ist wie beim Pilze sammeln Heute ist das so, morgen so Geschleppt wird stundenlang * (Funk) Ich hatte jetzt Fisch. * * Ich wollte langsam auf Norden drehen. * Den Hering interessiert nicht, ob auf dem Meeresboden ein Hindernis, ein Hacker liegt, woran sich ein Netz verfangen kann * (Funk) Es ist jetzt die Frage: * * Gehen wir unterhalb oder oberhalb der Hackers lang? * * Denn lange drauf können wir auch nicht schleppen. * * Mal sehen. * * Lass uns mal auf Norden gehen und dann sehen wir weiter. * Die Hacker lassen wir auf meiner Seite und denn ist gut * (Funk) Alles klar Ich dreh langsam. * Manche Hindernisse bereiten den Fischern auch heute noch größere Sorgen Das Problem ist, wenn wir was auffischen, was wir noch nicht hatten oder was wir nicht kennen Dass wir dann am Grund fest werden, dass das Netz kaputt gehen kann Hört er auch von anderen, dass sich ihr Netz verhakt? Jeden Tag höre ich das nicht, aber ich höre das öfters Manche bleiben auch hängen Manche Netze bleiben auch unten, wenn man die nicht loskriegt Ein ganzes Netz zu verlieren, kommt inzwischen eher selten vor Heute hatten sie richtig Glück Etliche prall gefüllte Netze hieven sie heute Und kein Netz ist beschädigt Über vier Tonnen Hering für jeden Für die “Einheit” und die “Bergen” Für den Anfang war das ganz gut Die Ware sieht gut aus Damit sind wir eigentlich zufrieden Heute ist es gut Ist etwas gemischt, aber sind schön große Heringe dabei Das ist schon recht gut Der nächste Morgen vor Hiddensee

Die “Seefuchs” verbrachte die Nacht im Schutz der Insel Die See ist ruppiger geworden Hoffentlich wird es nicht schlimmer Können sie noch tauchen? Vielleicht da, wo die Insel Wind und Wellen ein wenig abhält Unter Landabdeckung kann man tauchen gehen Das Problem ist, ins Boot reinzukommen Karsten will sich verlegen, dass wir unter Landabdeckung kommen Aber auch wenn wir tauchen, würde ich von Fall zu Fall entscheiden, ob’s geht Zumindest in kleinen Gruppen arbeiten Jenner und ich haben ‘ne Runde in Landnähe gedreht Wir hatten relativ glattes und sehr klares Wasser Wir haben verschiedene Unterwasserhindernisse von der Oberfläche sehen können als dunkle Verfärbungen Habt ihr Netze gesehen? Wir müssten einfach gucken, was wir hier finden In dem Bereich wird gefischt, v.a. durch die Dransker Fischer Dass man kleinere Schleppnetzreste finden könnte an den Sachen Muss man einfach sehen Netze, die verdriftet sind, die sich hier verfangen haben Stellnetze könnten wir finden Zum Beispiel Wer würde unter den Bedingungen tauchen gehen? Ich kümmere mich dann um die Technik Das Schiff wird auf neuen Kurs gebracht Sie hoffen, dass es auf der anderen Seite von Hiddensee ruhiger ist Was über Bord gehen könnte, wird gesichert * Klappern und Klirren * Jetzt merkt man schon, dass wir mit der Welle fahren Jetzt geht’s nur noch vorne und hinten hoch und runter und nicht mehr links und rechts Gleich kommen wir in die Windabdeckung Dann können wir erst mal was essen Doch das Mittagessen muss aus verschiedenen Gründen warten Das ist ‘ne Brise, mein lieber Scholli Wir müssen erst mal sehen, dass der Anker Halt findet Es kommt die Dünung so schräg von der Seite Das ist schon schwierig Auf der anderen Seite von Hiddensee Wir sind in einer Art Windabdeckung, gehen in den Windschatten Aber es ist nicht wirklich Windschatten Aber wir haben weniger Welle Unser Ziel liegt vor den Hügeln Da liegen zwei Wracks bei sechs bis zehn Metern Da werden wir mit dem Schlauchboot hinfahren und zwei Tauchgänge versuchen Wo wir Netze finden, werden wir Bojen setzen Tatsächlich wollen sie bei diesem Sturm noch runter Hat Florian Hoffmann schon mal bei so einem Wetter getaucht? Bei so starkem Wind hier vor der Küste noch nicht Aber wir sind relativ nah unter Land Wir müssen darauf achten, wie stark die Strömung ist Es kann sein, dass die Strömung so ist, dass sehr gute Sicht ist

Das werden wir gleich sehen Ich denke, wir haben teils in Böen acht Windstärken Haste gesehen: Die Wellen überschlagen sich schon Die brechen hier Das ist Unsinn Du kriegst sie nicht ins Boot mit dem Gerödel Er zieht sich jetzt wieder aus. Ja Das Wetter kann auch für erfahrene Taucher bedrohlich werden Na gut. Alles klar, Männer. Abbruch Den meisten macht es nichts aus, unter Deck zu essen Die Alternative: Abwarten – Abwettern Zwei Tage lang Die Wettervorhersage für den letzten Seetag ist gut Ihr Plan: vor der Kreideküste zu tauchen Doch das Wetter richtet sich nicht nach der Vorhersage Es frischt auf Hat der erfahrene Expeditionsleiter so etwas schon mal erlebt? Nee Dass wir mal ein, zwei Tage Ausfall hatten, ist relativ normal bei so ‘ner Tour Aber dass wir fast die gesamte Tour nichts machen können, ist mir noch nicht passiert Es wird wenig bringen, reinzuspringen Zu viel Sediment im Wasser Das Wasser vor der Kreideküste ist eine milchige Suppe Deshalb Kursänderung Weit draußen auf der Ostsee könnte es besser sein Sie wollen das Problem mit den Netzen in den Griff kriegen Wenn man auf dem Meer arbeitet, im Meer arbeitet, sieht man die Müllproblematik Es ist belegt über das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, dass ca. 100 Netze in dem Bereich verloren gegangen sind Wir rechnen mit wesentlich mehr Verlusten Warum? Weil dieser Bereich sehr intensiv befischt wurde Das BSH nimmt nicht alle Netze auf, die an Wracks hängen, sondern nur, wenn sie Hindernisse darstellen Wenn sie weit aufragen Wir wollen verschiedene Wracks inspizieren, auch andere Stellen: Anker, Findlingsblöcke, wo sich Netze verfangen haben können Währenddessen hält sich die Crew bei Laune wie in den letzten beiden Tagen Die Schlange kommt aus dem Wasser, geht um den Baum zurück ins Wasser Jetzt nimmst du die Schlangenenden und den Baum und ziehst fest Dann kannst du richtig ziehen und es geht nichts auf Das Schöne bei Seglerknoten ist: Egal was für ein Drücken, Wind Beaufort 9 Am nächsten Morgen überhaupt kein Problem: geht auf Wie von Zauberhand Ein Plan regelt den Küchendienst an Bord Die See bleibt ungemütlich Entgegen der Vorhersage ist es bewölkt und etwas windiger als gedacht Da wir sehr weit rausfahren und keine Landabdeckung haben, haben wir die volle Welle Wenn der Wind etwas runtergeht, die Sonne kommt und sich das Wasser beruhigt Dann sieht die Wasserqualität so aus, dass man tauchen kann Das ist unser Ziel heute Es bleibt abzuwarten, was sich in den nächsten zwei Stunden entwickelt Ich bin immer zuversichtlich, das gehört dazu Die Hoffnung stirbt zuletzt Die “Seefuchs” ist fast am Ziel – 14 Seemeilen nordöstlich von Sassnitz Die Tiefe 28 Meter ist ‘ne Herausforderung Wenn wir nicht in die Dekompressionsphase wollen,

können wir nur 15 Minuten am Grund bleiben Dann müssen wir wieder auftauchen Es bleibt wenig Zeit, unten am Wrack zu arbeiten Umso besser muss die Tauchplanung sein Damit jeder weiß, was er unten zu tun hat Wegen des Sturms die Exkursion abbrechen, wollen sie nicht Das Team ist zusammengestellt, der Urlaub genommen, das Schiff gechartert Wenn man sich anschaut: Was sind die größten Mengen an Plastik, die wir in der Ostsee finden können Durch ein großes Netz kommen schnell sehr viele Kilos zusammen Wenn man sieht, wie viele Netze sich über die Jahre ansammelten Das ist eins der Hauptprobleme, die wir in der Ostsee mit Plastikmüll haben Die “Seefuchs” hat das Wrack erreicht Ein alter, eiserner Segler ging hier vermutlich vor 40 Jahren unter Irgendwie scheint das hier ‘ne komische Strömung zu sein Ich muss erst mal austesten, woher die Strömung kommt Die Kunst besteht darin, möglichst über dem Wrack zu liegen So zu ankern, dass das Schiff über dem Wrack zum Stehen kommt, dass die Taucher im Prinzip fast da aussteigen können Aber auch Sicherheitsabstand bewahren, falls sich Wind und Strömung ändern, dass man nicht rüber treibt Und möglichst so, dass die Taucher mit der Strömung ans Wrack gehen können Das müsste jetzt eigentlich der Punkt sein Doch die Strömung ist stark, der Winddruck heftig Der Anker rutscht Sind wir fest? Auch die Boje treibt ab Dann raus. Raus das Boot Vorleine Fahr weg, fahr weg. Vorleine Heckleine weg. Heckleine weg Vorne noch einholen, Jenner Der hängt noch Wenn sich das nicht legt in den nächsten Stunden, haut uns das die Plattform weg Das Beiboot soll die Boje zurückholen Jens, gib das Seil hoch Wenigstens das hat schon mal geklappt Jenner, bleib im Boot Ich bleib im Boot. Ja Ich hau ab hier. Ja, fahr los Vielleicht sieht es backbord besser aus Jenner, ran hier Hier am Reifen, hier am Reifen Hat hier schon mal geklappt Wir hatten relativ starke Welle Wind ist nicht mehr so doll Es ist die Welle, die wir noch haben Der Wettergott war uns bisher nicht so hold Man muss aufpassen, dass nichts ins Wasser fällt oder Ausrüstungsgegenstände verloren gehen, die man im Boot hat Das ist schon etwas grenzwertig Was wollen wir machen? Weitermachen, oder? Wir warten ‘ne Stunde ab Wenn es nicht besser ist, drehen wir ab Ich kann das Boot hier kaum nicht halten Wenn du nicht willst, dass mit dem Boot was passiert Alle sind unzufrieden, enttäuscht

Krisensitzung Jetzt kam grad ‘ne Böenwarnung Östlich Rügen Böen 7 Macht keinen Sinn mehr, was? Dann hat sich das erledigt, dass wir abwarten, dass es ruhiger wird Dann frischt es eher auf Wir brechen hier ab Maschine an und dann los Vom Pech verfolgt Das habe ich noch nicht erlebt Dass nur ein Tag der Expeditionsreise top war Die Sonne kommt raus Aber der Wind Kannst nichts machen Auch der letzte Tag ein Tag ohne Tauchgang Dabei liegt direkt unter ihnen das Wrack des alten Segelschiffs Im Frühjahr waren sie schon mal hier unten Überzogen mit Schleppnetzen Ein Schleppnetz kann bis zu 150 Meter lang sein Die Fangsaison für die Fischer geht nach der Sommerpause jetzt im Herbst wieder los 30 Meter ist ihr Schleppnetz lang Vor Tagesanbruch fuhren Vater und Sohn Engelke raus Zehn Seemeilen nordöstlich von Sassnitz Wir haben die letzten Tage hier angefangen Eigentlich hatten wir ganz guten Erfolg Ein paar Plattfische waren drin, Dorsche, Schollen, Wittlinge Deswegen fangen wir hier wieder an Plattfische wie Schollen bringen kaum was ein Die Quote für Dorsch ist jedoch knapp Reich können sie als Fischer nicht werden Zum Glück ging ihnen schon lange kein komplettes Netz mehr durch ein Wrack verloren So einen Schaden könnten sie schwer kompensieren So ‘n Netz, wenn man das günstig kriegt – vielleicht für 10.000 Nach oben ist keine Grenze offen Wenn die komplett neu gebaut werden, von hinten bis vorne Kleine Netzschäden haben sie öfters An Hackern bleibt im Schnitt fünf- bis zehnmal im Jahr ein Stück Netz hängen Viel zu oft haben sie Müll in den Netzen Plastemüll, alte Farbeimer und so, Blechbüchsen, Gläser Besonderes hatten wir noch nicht Wir haben noch keinen Schatz gefunden Dass die Taucher die Geisternetze aus dem Meer holen wollen, sei ein Anfang Jetzt wird’s spannend Erst mal kieken, ob alles heil geblieben ist Dann mal gucken, was reingeschwommen ist Was reingeschwommen ist, ist immer ein Überraschungspaket Nicht so erfreulich heute Zu wenig Dorsch und Flundern Ein paar gute Dorsche sind aber doch dabei Insgesamt 4,5 Tonnen Fisch in drei Tagen Fischer Engelke hatte sich mehr erhofft Im Sassnitzer Hafen macht sich an diesem Morgen auch die “Seefuchs” wieder startklar Endlich sollen erste Geisternetze vor Rügen geborgen werden Bei den Tauchern kamen ein paar Neue hinzu, andere haben keinen Urlaub mehr bekommen Ihr Ziel wieder einmal: Der gesunkene Fischkutter “Friedrich Engels” An Bord sind diesmal auch Berufstaucher Nur sie dürfen die Netze bergen – eine gefährliche Aufgabe Das ist die “Friedrich Engels”, die wir jetzt machen Das ist die Fischluke

Das Schiff liegt auf der Steuerbordseite Am Heck haben wir ein großes Netzteil und am Bug – zwei Teile Hier hängt ein bisschen was rüber Hier siehst du es Das ist das, was Thomas gerade eingezeichnet hat, was quer rüber liegt Man könnte eine Stelle finden, anschlagen und das hochziehen Dass man dann guckt, ob das noch irgendwo hängt Da hängt hier oben was drüber, das kann man runterschieben Geht das hier weiter oder ist das hier zu Ende? Das hängt oben drüber und geht nach hinten zum Heck und hängt hier noch mal drüber Der ist quasi auf sein eigenes Netz gefallen Das Netz hat sich mit der Reling verworren, Spanten abgerissen Auch für die Profitaucher eine neue Herausforderung Das Schlauchboot des Meeresmuseums ist mit modernster Technik ausgestattet Punktgenau zeigt das Echolot, wo das Wrack liegt Wenn die “Seefuchs” am Wrack eintrifft, können die Taucher gleich ins Wasser Unter Wasser brauchen sie Spezialwerkzeug Meeresbiologin Gabriele Dederer Es ist ziemlich groß und scharf Gerade bei den Netzen besteht die Gefahr des Verhakens Man kann man sich losschneien, auch seinen Partner losschneiden Aber auch das Netz vom Wrack lösen Dazu braucht’s gutes Werkzeug Heute haben wir es vor allem mit einem großen Schleppnetz zu tun Das ist teilweise noch eigenes Netzmaterial, was um den Kutter rumliegt Vielleicht noch ein Netz, das sich verhakt hat Es sieht aus, als wären es ein oder zwei große Schleppnetze, die an dem Kutter hängen Wenn ich das Netz anziehe, zeige ich euch: “Netz geht hoch” und dann kommt ihr zu mir Wir bleiben bei dir Wenn ich anziehe. Sonst könnt ihr machen, was ihr wollt Aber wenn wir anheben, sage ich euch Bescheid Was ist dein Zeichen für Anheben? Draht geht hoch. Alles klar Florian Hoffmann und die anderen bereiten die Bergung vor Sie müssen versuchen, das Netz da loszuschneiden, wo es sich verhakt hat Dann kommen die Berufstaucher zum Einsatz Reserve ist angeschlossen, verriegelt Reserve-Check bitte einmal. 32 bar Reserve ist gut, danke Über den Schlauch bekommt der Profitaucher permanent Atemluft und hat Sprechverbindung zum Schiff Sein Job ist am gefährlichsten Er muss die Netze vom Wrack räumen Man reiche mir den Draht Er muss sich den Weg zum Wrack selber suchen Wenn ich zum Wrack komme, ist das Heck links oder rechts von mir? Das ist das Heck, wo du ankommst Am Heck kommst du an Alles klar Seine Ausrüstung ist so schwer, dass er sicher auf dem Meeresboden stehen kann Ich schneid mal ab Meinst du nicht, dass wir das rausziehen können? Nein Bei jedem Arbeitsschritt wird der Grund aufgewühlt Gib mal weiter. Ja, weiterziehen

Stopp! Für die anderen Taucher ist es bei der schlechten Sicht zu gefährlich Die erste Ausbeute Enttäuschung Viel weniger als erhofft Das Netz ist gerissen, weil es wie eine Krake ums ganze Wrack verhakt ist Lässt sich schwer sagen, ob es beim Untergang verloren ging oder sich im Nachhinein verfangen hat Ich würde sagen, im Nachhinein Diese ganzen Verbindungen, sehen relativ neu aus Auch für den Profitaucher eine riskante Aktion Man sieht halt schlecht Man wirbelt alles auf Das ist die größte Gefahr – und das Netz Man hat an einem Punkt angeschlagen, woanders kann was rausfallen Das will man nicht auf den Kopf kriegen Schlechte Sicht, Sachen können runterfallen, Spannung kommt auf den Draht Es ist eine starke Winde, die das Netz rausziehen muss Das ist ‘ne große Last Ein Netz kann mehrere Tonnen wiegen Da muss man vorsichtig sein Aber sie geben nicht auf Was können sie anders machen? Du würdest noch eine Truppe Taucher vorwegschicken, die sondieren, schneiden, alles da auf den Grund Sonst haben wir wieder das Problem: Wir heben an und es hängt noch Ich würde möglichst viel vorbereiten, bevor wir ins Wasser gehen und den Lift machen Die Frage ist, ob wir versuchen, bestimmte Bündel zusammenzufassen, und die mit einem Hebesack ein Stück anliften So dass nicht alles auf dem Sediment liegt, sondern ein Stück oben ist Probieren können wir das Nächster Versuch Diesmal mit Hebesäcken Die sollen das Netz zum Schweben bringen So sehen sie, wo es noch hakt Das klappt schon mal Jetzt bloß nicht zu viel abschneiden, sonst könnte das ganze Ding nach oben sausen Dann wird’s brenzlig Doch genau das passiert Zum Glück geht’s gut Ah, da ist es! Erleichterung über den Erfolg Jens Pohland, Meister aller Klassen! Wir hatten eigentlich schon aufgegeben Eigentlich ja Das war der letzte Schnitt Ich habe noch mal reingegriffen in das Netzknäul Dann habe ich ‘nen harten Strang gespürt, noch mal gesäbelt Dann hat’s geknackt Das erste größere Stück haben sie freibekommen Mecker mal nicht Das ist Schwerstarbeit Es sollte eigentlich viel größer sein Das konnten sie aber nicht heben Dann haben sie das in der Mitte gekappt Das ging ab wie eine Rakete Ging richtig hoch Drei Tage gelingt es ihnen, Netze von zwei Wracks zu bergen Und am letzten Tag: Ein ungewöhnlicher Fundort direkt vor der Kreideküste Dort, wo hin und wieder Buchen ins Meer stürzen Taue und Netze haben sich um einen Baum gewickelt Alles klappt Die Hebesäcke, an denen der Müll hängt, werden mit Luft gefüllt Jetzt muss der Bergungstaucher den Kunststoffabfall an die Seilwinde anschließen Möglichst so, dass nichts herausfällt Okay, kann losgehen Okay, geht los Sehr gut

Das Netz konnten wir losschneiden Es war unter ‘nem Baumstamm verfangen Vielleicht hört man uns fluchen unter Wasser Es war ‘ne ganz schöne Plackerei Jetzt müsste es nach oben hin frei durchgehen Diesmal hat sich die Schinderei richtig gelohnt Dann macht ihnen das Wetter doch noch mal einen Strich durch die Rechnung So schnell, wie das Gewitter kam, ist es wieder vorbei Nach vier Bergungstagen haben die Taucher über vier Tonnen Müll zusammengetragen Die Ausbeute allein von heute – an einer einzigen Buche: Hier ist wieder ein Feuerwehrschlauch Reste vom Schleppnetz Ein Kartoffelsack war auch noch dazwischen Eine Schwimmleine Das ist ‘ne ganze Menge Allerdings müssen wir auch sagen: Es ist nur die Spitze des Eisberges Wir haben noch mehr gefunden Die beiden Wracks, die auf dem Plan standen, sind noch nicht komplett von Netzen geräumt Da müssen wir nächstes Jahr noch mal ran Das haben sie fest eingeplant Und mehr als 100 Wracks mit Netzen sind um Rügen schon bekannt Trotz Strapazen bei dieser Exkursion: Keiner hat sich abschrecken lassen Es hat mir auf jeden Fall was gebracht Umweltschutz ist schon an Land schwer genug Unter Wasser ist es ‘ne ganz andere Herausforderung Die Bevölkerung weiß nichts davon Daher versuchen wir, das mit Kameras zu dokumentieren, um auf das Problem aufmerksam zu machen Es ist alles sicher verlaufen Alle Taucher sind gesund und zufrieden wiedergekommen Hat viel Spaß gemacht und auch noch was gezeigt: Nur weil’s weg ist, ist der Müll nicht weg, der auf dem Meeresboden liegt Das ist ein ziemlich drastisches und gutes Zeichen Copyright Untertitel: NDR 2015

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