Uncategorized

Untertitel: Norddeutscher Rundfunk 2016 * Sirenenheulen * Wir sind in Elsfleth auf der Werft Nee, Sonntag bin ich wieder in Elsfleth Ich fahr morgen nach Frankfurt und Sonntag zurück Siggi, ich ruf dich wieder an Okay, bis dann. Tschüss Von diesen Teilen müssen wir ein paar rauskriegen Alles muss raus auf diesem Kahn Alles soll anders werden mit diesem Schiff Kapitän Cornelius Bockermann hat sich ganz schön was vorgenommen Wir machen ausm alten Segelschiff wieder ‘n Segelschiff Das Schiff wurde als Segelschiff gebaut in den 20er-Jahren und fuhr als Küstensegler Irgendwann wurde es zum Kümo umgebaut, wie das bei vielen Schiffen war Wir bauen’s wieder zurück zum echten Segelschiff, zum echten Frachtsegler Wir wollen keine Passagiere fahren, sondern wieder das machen, was es früher gemacht hat: Ladung fahren Ladung fahren mit der “Avontuur” – zu deutsch: das Abenteuer Ein holländischer Schoner 40 Meter lang, fast 100 Jahre alt Wenn der umgebaut ist, wenn auf diesem Schiff wieder die Segel gesetzt werden, soll es von Elsfleth auf große Fahrt gehen Das Ziel ist, Ladung zu fahren im Küstenbereich im Great Barrier Reef in Australien Die Überführung dahin soll im August losgehen Bis August sind es zu diesem Zeitpunkt nur noch wenige Monate Nicht viel Zeit, um aus dem schwimmenden Schrottlager einen Frachtsegler zu machen, der in Australien Ladung fahren soll Die “Avontuur” ist in einem erbärmlichen Zustand Der Käpt’n sieht das anders Es ist nur ein größeres Renovierungsprojekt Das Schiff selber, der Rumpf, ist in Top-Zustand Was man hier sieht, sind die alten Nietenlinien Das ist der alte Stahl, das sind zehn Millimeter Nach unten hinten werden es acht Millimeter Das Unterwasserschiff wurde schon komplett ausgetauscht Das ist tipptopp Wenn sich der Käpt’n da mal nicht täuscht Der Schiffsrumpf wird noch Arbeit machen Doch zu diesem Zeitpunkt herrscht Aufbruchsstimmung in der Werft Das Projekt hat Menschen aus der ganzen Welt angelockt Freiwillige Helfer, “volunteers”, haben im Internet von dem Abenteuer gehört Sie machen jetzt mit und packen mit an So unterstützen sie Kapitän Bockermann She gets four beers. Believe it: At ten o’clock – five seconds Wir sprechen hier hauptsächlich Englisch Valentin spricht ganz gut Deutsch, aber besser Englisch Wir sprechen Englisch, weil mein Französisch ist eingerostet Alex würde gern Deutsch lernen Aber wir sprechen kein Deutsch mit ihm Yes. You know what I mean We’ve had so many nationalities here General language is English und so wird es bleiben An Bord musst du dich auf eine Sprache einigen, sonst kommst du durcheinander Mittagspause mit einem Haufen Amateure Vom Schiffsbau hat hier außer dem Käpt’n keiner Ahnung Abgesehen von einem alten Kumpel, der in dem Projekt eine große Chance sieht: Bootsmann Peter Ich bin zehn Jahre zur See gefahren, 30 Jahre an Land gewesen Handwerk kunterbunt, alles gemacht Aber es hat nix gebracht Jetzt kriege ich ‘ne Chance, die lass ich mir nicht entgehen Fehlt mir noch – segeln und durch den Pazifik Ansonsten war ich überall Seit zwei Monaten rauft sich diese bunte Truppe zusammen, ständig in anderer Zusammensetzung Ich mach jeden Abend ‘nen Plan, wer wie lange noch hier ist, wer wann kommt Das geht alles per E-Mail

Nächste Woche kommen zwei neue Helfer Benne ist weg, Friedrich geht morgen auch, Ben bleibt, Alex bleibt Lena ist bis zum 30. hier, Valentin geht morgen Ein ständiger Wechsel Der Umbau der “Avontuur” – ein abenteuerlicher Kraftakt Das letzte Stück vom ersten Haufen Du musst schreien dabei So, dann geht das Die großen Diesel-Frachtschiffe dieser Welt können Tausende Übersee-Container laden Im Vergleich dazu ist der Kahn eine Nussschale Alright, that’s already gone This one is my favourite heavy baby Im Schiffsbauch der “Avontuur” soll Platz für drei der üblichen 20-Fuß-Container sein Mit diesem Platzangebot würde der alte Schoner zu einem der weltgrößten Frachtsegler werden Wir werden ‘ne Besatzung von fünf Mann haben Damit kann man das Schiff fahren Dazu fahren wir acht Trainees Junge Leute, die ‘ne Ausbildung auf so ‘nem Schiff suchen, die du auf ‘nem Frachter nicht mehr finden kannst Richtig “hands on” segeln und arbeiten Das hat nichts mit den Traditionsschiffen zu tun Alle gut und schön – aber hier wird richtig gearbeitet Mit dieser Besatzung können wir drei Wachen voll besetzen und das Schiff unter allen Umständen fahren Clean, safe and fair! Moin Mit einem Segelschiff Ladung transportieren hat man früher gemacht – aber heute? Have you seen the card? I’ve seen one side of it Im Bürocontainer, der Schaltzentrale des Projekts, wird an der riskanten Geschäftsidee gearbeitet Alex aus Australien und Ben aus Kanada sind von Anfang dabei, arbeiten am Image des Projekts Wir müssen das Projekt bekannter machen in den Kreisen, wo wir möglicherweise Ladung finden können Dann wollen wir ein bisschen Werbung machen für das Projekt Wir haben ja eine Idee Wir wollen was verändern Wir wollen das Denken der Menschen verändern Wir müssen die Idee in die Öffentlichkeit tragen Wer weiß schon, dass 6, 7, 8, 10 % – je nach Studie – der CO2-Belastung von der Welthandelsschifffahrt kommt? Das denkt man so nicht 16 der größten Containerschiffe produzieren genauso viel CO2 wie alle Autos auf der Welt * Gitarren-Blues * Just give it a touch Go ahead A bit more Compressing the timber now That’s it. Perfect Wenn das nicht funktioniert hätte,

hätten wir das Ankerspill nicht überholen können Wenn die so festgegammelt wären, dass wir die abschneiden müssen, hätten wir uns ein neues Spill suchen müssen So können wir alles überholen, sandstrahlen, neu malen Das ist sehr erfreulich Die alte Ankerwinde – gerettet Jetzt wär’s toll, wenn wir hierfür ‘nen Abzieher hätten Funktionstüchtige Klassiker werden wiederbelebt Schiffsteile werden wieder eingebaut, die schon seit 100 Jahren ihren Dienst tun Das freut den Käpt’n Nebeneffekt: Das spart Kosten Die “Avontuur” war geplant mit 680.000 Euro bis zur Fertigstellung Ich habe versucht, so blöd das klingen mag, Geld zu sparen Das ist mein eigenes Erspartes Ich bin nicht los wie viele, die ‘ne Firma oder ‘n Projekt starten: “Ich brauche erst mal Geld Also verpflichte ich mich dem und der Bank und dem.” Ich hab nur Geld eingesetzt, was ich selbst hab Deshalb arbeiten wir auch sieben Tage die Woche Haut diesen Ast damit weg – einmal von hier und dann von hier Sonst spaltet das unnötig und das wäre nicht gut Ja, legt mal los Ein paar Lärchen wird das Fell abgezogen Die Holzstämme sollen die Mastspitzen der “Avontuur” werden Das werden die Stengen Wir kriegen ‘n 24-Meter-Stahlmast Da kommen noch Holzstengen zwölf Meter obendrauf Wird ‘n hoher Mast, ne Ein Freund von mir ist Bauer in Hann-Linden Der hat seine 15 Hektar Eigenwald Da haben wir das rausgeholt Einheimische Hölzer – so wie ich Um die Mast-Stengen muss sich der Käpt’n keine Sorgen machen Das macht Peter schon Aber mit den Stahlmasten hat der Macher des Projekts seine liebe Not Ich habe im Januar, also rechtzeitig, nach Lieferanten für die Masten gesucht Die Masten sind was Besonderes, von der Technik her Das sind konisch gerollte Masten von unterschiedlichen Materialstärken Das kann nicht jeder herstellen, das sind keine glatten Rohre Die werden nach oben hin dünner Die Firma, bei der wir gelandet sind, ist die einzige, die es überhaupt machen kann Sie machte im Februar ein Angebot: drei Wochen Lieferzeit Im April hat sie das Angebot wiederholt Im Mai haben wir bestellt Dann hieß es: sieben Wochen Lieferzeit! Dann stehste da Ein Monat Verzögerung Noch ist der Glaube da, die Wesermarsch im Sommer hinter sich zu lassen Und im August auf große Fahrt zu gehen Ein Traum, der geteilt wird mit den vielen freiwilligen Helfern He looks like an albatros * Mädchen lacht. * Käpt’n Conny hat eine Unterkunft organisiert – mitten in Elsfleth Ein Haus für die manchmal mehr als 20 “volunteers” aus der ganzen Welt Frei nach dem Prinzip “Hand gegen Koje” schläft, kocht und lebt hier die Frachtsegel-WG Lena, how do you say “cut” in Deutsch? Schneiden Ich versuch ja, Verpackungen zu vermeiden Da haste wieder Plastikschalen Manche Sachen kannste nicht vermeiden Wir kaufen so viel ein ohne Verpackung, wie’s geht Die sind auch nicht immer ohne Verpackung Jetzt haben wir wieder welche gefunden Da helfe ich ein bisschen, zeige, wie das sein sollte Es ist zwar nicht immer einfach, aber es geht Ich kümmer mich um alles

Um manche Sachen kümmer ich mich auch zu viel Viele Sachen würden dann vielleicht auch alleine laufen Aber ich meine immer, ich müsste ich bin kein Controletti Ich meine immer, ich müsste meine Erfahrung einbringen Ich kümmer mich eben um alles Der Idealismus kostet ‘ne Menge Geld Aber da muss man Prioritäten setzen * Radio spielt laute Reggae-Musik * * Radio spielt klassische Musik * Vier Wochen später Es ist Mitte Mai Es ist viel, aber nichts Entscheidendes passiert Es ist früh am Morgen Die “Avontuur” liegt aufgebockt im Trockendock Das Mastgestänge halbfertig in der Werkstatt Die Helfer machen sich auf den Weg – alles wie üblich Es gibt viel zu tun Nur eine Sache stört heute Das ist kontraproduktiv, wenn ich meinen Spruch fünfmal machen muss, bis wir endlich anfangen zu arbeiten Wir sind dem Zeitplan zwei Monate hinterher Das ist nicht förderlich, wenn wir den noch weiter verzögern Deshalb muss ich gleich ein bisschen Gas geben Das ist Mist Wir wollen um 8 Uhr anfangen Ich habe ja auch Termine Um 8.15 Uhr ein Treffen mit dem Werftingenieur * Klassische Musik * Moin. Moin, moin Es gibt eine Verabredung zwischen dem Käpt’n und seinen Volunteers Für jeden Arbeitstag an Land gibt es einen Tag Belohnung auf dem Schiff: Als Trainee auf hoher See Deshalb wird jeder Arbeitstag notiert Aber darum will der Käpt’n auch Leistung sehen und pünktlich die Arbeit an Land verteilen Leon, wir müssen die Anoden einschweißen Susan, you can remove the connection from the tanks? You know where the spars are We need two people for the half peak Und was machen wir jetzt zuerst? Anoden? Irgendwann im Laufe des Tages Da fehlte die Niete Siehst die Roststreifen, die da runterlaufen? Da ist ‘ne Niete nicht dicht Wir müssen gucken, ob das Schiff da durchgerostet ist Kannste haben Wir hatten da vorne Stellen, die kamen beim Sandstrahlen raus Und da kommt was durch Heute stellt sich raus: Der so erfahrene Kapitän Bockermann hat sich mit dem Stahlrumpf der “Avontuur” verschätzt Eine Ultraschallmessung ergab: Ganze Plattengänge sind dünner als die vorgeschriebenen 6 Millimeter Wir wussten, dass Sachen raus müssen

Ist ärgerlich, wenn da Plattengänge raus müssen Das kostet Geld und Zeit Das hält uns davon ab, drinnen anzufangen Musste machen – leider! Kosten, die sich der Käpt’n gerne gespart hätte Spezialisten sind teuer! Die Profi-Schweißer der Elsflether Werft müssen ran! Tonnen- und quadratmeterweise wird maroder Stahl aus der “Avontuur” getrennt Um später neue Platten passgenau wieder einzuschweißen Eine Arbeit für Fachkräfte – nichts für Connys Helfer Moin, na wie ist die Lage? Das wird wieder ganz schön aussehen Das dauert alles und das ist alles ein bisschen mehr als geplant, ne? Die Sichtweise des Käpt’n ist klar Seine freiwilligen Helfer sehen die Situation anders Es macht Spaß, als Frau so was zu machen Weil man woanders nicht so einfach reinkommt Ich finde es toll, dass wir hier mithelfen und ausprobieren können Wir müssen’s nicht tun, aber wir dürfen. Das ist schön Eine Frau mit Schweißbrenner: Willkommene Abwechslung in der Männerdomäne Werft In diesen Tagen gibt es den Ratschlag vom Profi öfter als üblich Noch mehr aufdrehen Nicht so viel. Da oben Fertig Geht doch Klar geht das! Keine Frage Willst du auch? I try Es sind viele Leute hier, die aus Interesse an dem Projekt kommen und viel lernen wollen Wäre schöner, wenn ich hier Schiffsbauer, Bootsbauer, Elektriker, Rohrleger hätte Habe ich aber nicht Wir kriegen das trotzdem hin Wir machen alles selber, was wir selber können Was wir nicht können, müssen wir vergeben Aber es gibt noch Peter, gelernter See- und Zimmermann Er ist eigentlich vollauf beschäftigt mit dem Bau der Maststengen Aber Seit zwei Wochen bin ich nur am Rumrennen Die sollten seit zwei Wochen fertig sein Aber … keine Zeit Man muss auf alles aufpassen Peters Spezialgebiet: Holz Damit kennt er sich aus – da macht ihm keiner was vor Bis auf den Chef Kapitän Cornelius Bockermann ist seit mehr als 30 Jahren Seemann Der Mann hat auf einem Schiff alles gesehen, gebaut und repariert Käpt’n Conny – ein Alleskönner mit Spleen! Ich bin pingelig, ein Perfektionist Das steckt so drin Das Problem beim Perfektionisten ist: Es ist ja nie perfekt Du musst immer scheitern, weil: Perfektion ist nicht erreichbar Das ist ein permanenter Frust Hier hat er ein bisschen mehr Luft Und hier ist er höher Das ist eben kein Eisen, sondern Holz Die übliche Ausrede des Zimmermanns Wenn es mit der “Avontuur” auf große Fahrt geht, soll Peter in Käpt’n Connys Crew der Bootsmann werden Sozusagen die rechte Hand vom Chef auf dem Schiff Für mich ist das einfach Für Peter stellt sich das komplizierter dar Ich bin ja der Boss An Bord bin ich der Kapitän, noch besser Für mich ist das einfach Nee, Spaß beiseite Wir haben uns zufällig gefunden Wir sind beide Beruf-Seeleute, ungefähr gleich alt Selbe Schulausbildung Haben beide Matrosenbrief gemacht Wir haben uns über Bekannte und Freunde gefunden Zufall Kommen beide aus der Region, schnacken Platt Wir kommen schon klar Peter hat mal wieder seine Kontakte spielen lassen Ein Dutzend günstige Holzbohlen abgestaubt Daraus sollen die Lukendeckel werden Ausnahmsweise packt Bürokraft Curly Ben mit an Der gelockte Kanadier hat zufällig eine Hand frei Hard work, that’s right

Ben ist der Fachmann fürs Internet Klar würde ich ihn gern mitnehmen zum Arbeiten, aber geht ja nicht Das ist so viel Arbeit im Office Die eine Hälfte ist das praktische Arbeiten und das andere ist Arbeiten im Office, das ist genauso wichtig Aber das macht mich sehr schwer. No, what’s strong? Stark. Stark, stark Yeah, but you have no time You’re just in the office on the computer Yeah, lifting and this – two different things But everything is important Everyone has a job to do Jeder Handschlag zählt bei diesem Projekt Nahezu jedes Talent ist gefragt Curly Ben gehört jetzt schon seit vier Monaten zur Crew Er ist kein geborener Handwerker, aber gelernter Werbefachmann Er weiß: Ohne Internet-Auftritt läuft heutzutage gar nichts Gemeinsam mit Alex, dem Australier im Trainee-Team, hat der 31-Jährige in den letzten Monaten eine Webseite gebaut Die kann sich sehen lassen Timbercoast heißt das etwas andere Frachtsegel-Projekt im Internet Freiwilligen Helfern wie Ben und Alex ist klar: Dieses Projekt lebt nicht nur von Engagement und Überzeugung, sondern auch von finanzieller Unterstützung Denn die geplanten Umbaukosten drohen, aus dem Ruder zu laufen Als wir’s gekauft haben, haben wir uns ‘nen Plan gemacht, wie wird das aussehen, der war recht genau Aber je weiter wir das Schiff zerlegt haben, desto mehr mussten wir an dem Plan wieder ändern Wir wussten nicht, wie’s unterm Ballast aussieht Das konnten wir erst rausfinden, als wir das Schiff auf dem Slip hatten Da war dann die letzte Gewissheit: Hier ist auch noch so viel kaputt So ändert sich ständig der Plan Das Budget hat sich auch gewaltig geändert Wir sind sehr weit über der geplanten Summe * Melancholische Gitarrenmusik * Das Geld wird knapp – die Zeit rennt davon Wenn die “Avontuur” im August in See stechen will, muss etwas passieren! Conny hat sich in Schale geschmissen Sucht Unterstützung im Nautischen Verein So schnell gibt ein Käpt’n sein Schiff nicht auf Danke für die Einladung Es war mir eine Freude Noch ein Mann mit Faible für Segelboote Deswegen bin ich bei ihm auf der Werft Du fühlst dich wohl bei uns Ich will da gar nicht wieder weg Hier trifft man sich so Die maritime Wirtschaft, Kapitäne, Seefahrtschule, Reeder Die lokalen Werften sind hier Das ist genau die richtige Gegend, um die Idee ans Volk zu bringen # A hundred years is a very long time #

Der Käpt’n bewahrt Haltung auf einer Traditionsveranstaltung Let’s get ready to rumble aaaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhhhhhh! * Jauchzen und Jubeln * Seine Crew lässt die Puppen tanzen In der Volunteer-WG kommt es zu einem heißen Finale zwischen Andrew aus Florida und Dexter aus Sydney Die Frage “Wer ist der bessere Tänzer unter den Frachtseglern?” endet mit einem Sieg für Australien Und einer Open-Air-Party in einem Hinterhof in Elsfleth * Ausgelassener Jubel * * (Musik) Ace of Base “The Sign” * * Sirene * Zwei Monate später – es ist Mitte Juli Die “Avontuur” liegt immer noch an Land – auf dem Slipway Der mal geplante Abfahrtstermin ist längst vom Tisch Momentan ist hier nichts im Lack Wir sind seit Wochen aufm Slip und malen seit zwei Wochen Ständig kommen Schauer dazwischen Wenn die Außenhaut nass ist, können wir nicht malen Jetzt warten wir, dass es trocken wird Jetzt kommt noch ‘n Schlag Farbe drauf Die restlichen Farbschläge müssen die nächsten Tage drauf, dass wir ins Wasser kommen Die Zeit drängt mal wieder Bald soll sich der Frachtsegler auf der Sail in Bremerhaven präsentieren Ich wollte heute den Arsch weiß haben Wenn der im Wasser ist morgen, ist das ganz schlecht, da unter zu kommen und zu malen Was wir heute noch schaffen, wollen wir weiß kriegen Mehr als ein Dutzend Anstriche haben sie der “Avontuur” verpasst: Rostschutz, Haftvermittler, Antifouling, Vorstreichfarbe, letzte Lackschicht Unterm Strich: Das Schiff könnte noch mehr Weiß vertragen Das ist natürlich ein Problem Im Schiffsbauch muss auch noch ein neuer Kühler eingebaut werden Ständig stolpert der Käpt’n über nicht geplante Neuanschaffungen So geht das seit Wochen Die Ziele sind ab jetzt neu gesteckt Die bisherigen Verzögerungen stellen ein gewaltiges Problem dar, weil wir gewisse Termine haben Der erste Termin, den wir auf jeden Fall einhalten wollen, ist die Teilnahme an der Sail Bremerhaven Das ist nicht einfach, aber unmöglich ist gar nichts Der nächste Morgen Nach einer gefühlten Ewigkeit auf dem Slip soll die “Avontuur” heute ins Wasser Vorausgesetzt, alle Schweißarbeiten sind erledigt Die Anode ist immer noch nicht angeschweißt Mach die Gangway weg und ins Wasser Ich will weitermachen Wir wollen da rankommen und Gas geben Wir haben keine Zeit * Lachen und Jubeln * Die “Avontuur” schwimmt wieder Nichts leckt – der Stahlrumpf hält dicht So haben sich das alle gewünscht Der Tag heute – ein Meilenstein Unsere eigene Gangway muss wieder nach hier Der Käpt’n blickt auf seine Art nach vorn Ich habe feste Ziele, und dafür muss man unheimlich reinhauen

Das ist mit allem so – ich bin begeistert von den Leuten Alle arbeiten hier, als wenn sie dafür was kriegen Natürlich kriegen sie was dafür Aber nichts, was man in die Hand nehmen kann Die erarbeiten hier ‘ne Zukunft Die machen was richtig Sinnvolles Die sind alle mit Spaß dabei Du brauchst keinen pushen Alle haben das gleiche Ziel Wir müssen dieses Schiff fertig kriegen Wir müssen die Umwelt retten und das Ziel erreichen Ohne dass du denen irgendwas geben musst – außer Zuversicht Diesen positiven Gedanken bringe ich schon rüber Den tragen alle mit Mohltiet Schotstek. I can’t show you now I’ll show you a good one once we’re done I hope you’ve all learnt your knots A sheet band please, and a double sheet band on the other loop * Glocke * * Glocke * Wir machen jede Woche einen neuen Knoten Wenn die den beherrschen, astrein! Du brauchst bloß ‘ne Handvoll Knoten Palstek, Webleinenstek, Stopperstek und Schotstek Dann haste fast alle zusammen That’s a beauty here That’s a beauty This one is the most beautiful one Just like that? Because I love red * Alle lachen. * Alle haben gewonnen, außer der This time we’ve only got one loser and all the rest are winners It wasn’t yours, was it? No, this one was just here. Alright Vier Wochen später – es ist Anfang August Die “Avontuur” – strahlend, weiß, prinzipiell abfahrbereit Wenn nicht das Wichtigste immer noch fehlen würde – die Masten Das machen wir, wenn wir Zeit haben Wir wollten um zwölf mit den Masten anfangen. Jetzt ist halb zwei Ich habe sie nur genommen, weil wir unter Zeitdruck sind Sonst hätte ich sie zurückgehen lassen Die Masten sind schlechteste Qualität Sie sind noch im Rahmen, aber nicht das, was wir erwartet haben Weil wir richtig teure, gute Stahlmasten genommen haben Die liegen jetzt da drüben An den Masten fehlen ‘n Haufen Anbauteile Die hätten vor zwei Wochen da sein sollen Dann hätte die Werft sich Mühe gegeben mit Überstunden, um die neuen Masten fertigzukriegen Dann würden wir die heute aufstellen Aber die Masten liegen da immer noch als Rohlinge Also stellen wir das alte Rigg wieder hin – leider! All hands on – alle müssen ran an das Rigg Glücklicherweise hatte der Käpt’n die alten Masten der “Avontuur” eingelagert Als ob er das schon geahnt hätte Doch die heutige Rettungsaktion schmeckt Käpt’n Conny gar nicht Das alte Rigg taugt nichts mehr Für einen Segeltörn Richtung Übersee mal gar nicht Die Aktion ist nur für die Optik Eine Mogelpackung, damit sein Frachtschiff auf der Sail für Laien wie ein Segler aussieht Und nicht wie ein x-beliebiger Stahlkocher Diesen Tag hat sich Käpt’n Conny ganz anders vorgestellt See you in Australia! Immerhin, wir bewegen uns das erste Mal wieder Obwohl nicht ganz so, wie ich mir das erhofft hatte Fertig und unter Segeln Der Zeitplan sah vor, dass wir im August anlässlich der Sail die Reise antreten können

Alles läuft anders als gedacht Die halbfertige “Avontuur” wird nach Bremerhaven geschleppt und der Käpt’n auf der Weser an seiner alten Heimat vorbeigezogen Da vorne ist mein Dorf Gegenüber vom Kirchhammelwarder Wasserturm Das einzige Dorf ohne Kirche Hier sieht man den gedrehten Kirchturm von Sandstedt 20 Meilen geht es flussabwärts Käpt’n Conny hätte diesen Weg so gern unter Segeln zurückgelegt Wie die anderen, die an diesem Tag auf der Weser unterwegs sind Denn heute schlägt die Stunde der Großsegler Jener Schiffe, die Cornelius Bockermann zu seinem Abenteuer inspirierten – die großen Windjammer Die waren vor hundert Jahren auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung, als sie Menschen und Waren mit reiner Windenergie transportierten Auf dem Weg zur Sail in Bremerhaven zeigen sie, was sie noch können Der Käpt’n und seine Crew befinden sich in bester Gesellschaft auf dieser Veranstaltung Zwar haben die Stars unter den Großseglern die attraktiveren Liegeplätze Dennoch will die “Avontuur” eine wichtige Nebenrolle spielen Da drüben liegen die ganzen Vorzeigeschiffe “Alexander von Humboldt”, “Statsraad Lehmkuhl” Lauter schnieke, tolle Schiffe Wir sind nur son einfaches Frachtschiff Wir haben schon was Besonderes, aber wir sind einfach im Vergleich Hier gibt’s keine Uniformen, kein Gold Hier gibt’s nur Arbeit – und das Schiff ist noch nicht fertig Wir müssen mit anderen Sachen glänzen – nämlich mit den Inhalten Wir wollen, dass Seetransport sauber wird Ohne Umweltverschmutzung Wir verbinden damit den Produzenten von nachhaltig produzierten Waren mit dem bewussten Konsumenten Wir sind das Verbindungsglied Wir werden die verbinden Das wollen wir verbreiten. Und dafür brauchen wir Foren wie dieses hier Für fünf Tage wird die “Avontuur” zur gutbesuchten Informationsbörse Die Crew kommt aus dem Erklären gar nicht mehr heraus Die Vision vom Frachtsegler interessiert mehr Menschen als erwartet Es wurde ja öfter schon umgebaut Jetzt bauen wir’s zurück zum Segelfrachter Trainees – wie läuft das hier, wie ist das gedacht? Es ist so gedacht, dass wir mit dem Schiff Ladung fahren Das ist ein reines Frachtschiff, das als Handelsschiff betrieben wird Es ist keine Jacht oder Traditionsschiff Sondern ein normales Handelsschiff, das unter Segeln fährt wie früher Hier zahlt man als Trainee 75 Euro am Tag für die Ausbildung Während unsere Freiwilligen, die im Moment an Bord sind, als Belohnung dafür einen Tag Segeln an Bord bekommen Moin. Moin. Wie geht’s? Oh gut Wir suchen jetzt Investoren Richtige Investoren, die sich beteiligen? Ja, wir wollen Shareholder, Anteilseigner Wir wollen Anteile am Schiff verkaufen Wir sind fest davon überzeugt, dass wir wirtschaftlich fahren können Right now, everything you see has been put together We put these masts on two days ago They aren’t our real masts We have our other masts coming Der hat diese Stiftung ins Leben gerufen Mir wurde heute empfohlen, ich soll mich an die STAG wenden Sail Training Association Germany – da war selbst die “Outlaw” drin Es hat sich gelohnt Der Auftritt auf der Sail sorgt für Rückenwind Viel Erfolg Und bestimmt hören wir voneinander Danke schön Wir verteilen die Flyer

Können wir gebrauchen – vielen Dank Ich möchte Maschinenbau studieren mit Schwerpunkt Schiffstechnik Ich kann leider nicht bis zum Ende hierbleiben Ich würde gern das ganze Schiff fertigbauen und alles mitmachen Ich werde schon früher gehen, aber zwischendurch weiterhelfen Spätherbst – seit der Sail sind drei Monate vergangen Es ist mittlerweile November Still liegt die “Avontuur” in der Elsflether Werft Alle Pläne sind über den Haufen geworfen An eine Abfahrt ist nicht zu denken – auch in nächster Zeit nicht Ein Törn nach Australien – schon bald zu gefährlich Stichwort: Sturmsaison Aber auch an Land ist der Käpt’n in schwere See geraten Inzwischen haben wir 700.000 ausgegeben Das Schiff ist im Rohbau so gut wie fertig Ich rechne, dass wir noch mindestens 500.000 Euro reinstecken müssen, bis wir fertig sind Wir sind weit über das geplante Budget hinausgeschossen Das Geld habe ich nicht selber, sondern muss es bei Investoren einwerben Es wäre schön, wenn wir 500-600 Interessenten finden würden, die alle 1000 Euro in den Topf schmeißen Dann hätten wir kein Problem Wenn das nicht der Fall ist, wenn wir keine Investoren finden, werde ich zur Bank gehen müssen Ungern, aber bleibt mir nichts anderes übrig Den Gang zur Bank möchte Marketing- Fachmann Ben aus Kanada verhindern Er arbeitet an einem Geschäftsmodell, das nicht nur Interesse weckt, sondern auch ein paar Euros in die Kasse spült Es gibt ein Musterbeispiel: Eine Frachtsegel-Crew aus Holland, die Waren unter Segeln transportiert Tres Hombres heißen die Das muss doch auch mit der “Avontuur” gelingen Der Angriff auf die Schifffahrts- Industrie verläuft schleppend Noch immer sind die Masten nicht fertig Solange die nicht stehen, können auch keine Segel gesetzt werden Kapitän Bockermann trägt es mit Fassung Seine Idee, mit der “Avontuur” irgendwann an Australiens Ostküste Waren wie Kaffee, Kakao und Rum zu transportieren, verspricht Erfolg Auf kurzen Strecken ist der Frachtsegler Konkurrenz und umweltfreundliche Alternative zu dieselbetriebenen Containerschiffen Der Käpt’n hat sogar schon Aufträge an Land gezogen Doch zurzeit scheitert es an Kleinigkeiten, auf Fahrt zu gehen Das sieht ganz schön schlapp aus – richtig dicht geholt? Ist alles berechnet genau, aber ich gebe da immer noch was dazu Wenn’s nicht hinhaut, kann ich immer noch ein Glied abschneiden Die Arbeitsfortschritte – bescheiden Die Crew kommt nicht voran Volunteers wie Alex merken sehr wohl: Das Abenteuer “Avontuur” steht vor seinem größten Stresstest Hauptsache, der Käpt’n macht nicht schlapp Zu tun gibt es bei diesem Projekt für alle mehr als genug

Für den wichtigsten Mann vielleicht manchmal ein bisschen zu viel Es sind so viele Gewerke, die hier gleichzeitig ablaufen Dafür bräuchte man ein besseres Büro-Back-up Hier müsste mir jemand zuarbeiten, dass ich nicht so viele Sachen gleichzeitig machen muss Da gehen Sachen bei unter, logisch Wir haben jetzt ‘nen Termin fürn Mast, wunderbar Die Spannschrauben sind da, die Drähte. Alles fertig Dann fällt mir ein: Mist, die Haltedrähte für den Spreader hab ich nicht bestellt Gleichzeitig muss ich unsere Investor-Broschüre durchlesen, Mails beantworten, in den Katalog gucken wegen der Spannschrauben Das ist viel auf einmal Dann ruft meine Frau an und sagt, hast du eigentlich daran gedacht? Das habe ich dann vergessen das kommt vor Seit acht Monaten wird jetzt an der “Avontuur” gearbeitet, wird gemalt, geschweißt, geflext Mehr als 100 freiwillige Helfer aus der ganzen Welt haben für ein paar Tage, Wochen, Monate bei diesem Projekt mitgemacht Haben geschliffen, geölt, gehobelt Die Lukendeckel – kurz vor der Fertigstellung Nur eine Frage der Zeit, wann Peter auch diese Aufgabe erledigt hat Der Holzfachmann an Land und künftige Bootsmann der “Avontuur” setzt weiterhin alles auf eine Karte Ich bin in ‘ner Position, wo ich sage, ich habe fast nichts mehr Und das bisschen, was ich noch habe, das bringe ich zu einem Freund Ich fahre erst mal mit Wie lange das geht – ein Jahr, zwei Jahre, fünf Jahre – werde ich sehen Aber erst mal will ich mitmachen bei diesem Projekt, um mit dem Schiff nach Australien zu fahren Was danach geschieht, ob ich zurückkomme oder nicht, das steht in den Sternen Anfang Dezember Ein Montag – ein wichtiger Tag Das vorläufige Finale Die neuen Masten werden heute gestellt – endlich Wenn die “Avontuur” ein Haus wäre: Es hätte heute Richtfest Ich habe die Geld So this a German, this a Canadian, this Australian Wir legen Münzen unter den Mast Das ist ein alter Brauch Der stammt von den Römern Wenn ein Schiff sank und die Menschen ertrunken sind, wurden die Toten über den Fluss in den Hades transportiert Du musst ja den Fährmann bezahlen, das ist Geld für den Fährmann Wenn du das nicht hattest, würdest du nie auf die andere Seite kommen Das ist also ganz wichtig Wir sind nicht abergläubisch, aber das stimmt Ohne Kran geht hier gar nichts Klaus, bist du klar? Alles klar Geh dahinter weg Die neuen Masten:

Jeder ist vier Tonnen schwer und 30 Meter lang * Gitarren-Blues * Der erste Mast steht Die Gedanken kreisen bereits um die künftigen Aufgaben Der einzige Raum, der fertig ist, ist der Laderaum Und unsere Räume, der Kartenraum, die Kombüse Das muss alles noch gebaut werden, da ist ja noch nix fertig Auch was früher mal die Achterpiek war, da kommt noch Ballast rein Wir werden die nächsten Monate noch was zu tun haben * Gitarren-Blues * Gut, jetzt fahr ein bisschen vor * Gitarren-Blues * Am Ende geht alles ganz schnell und die “Avontuur” sieht auf einmal wie ein Frachtsegler aus These masts are beautiful Thank you very much to everyone here Everybody has really put his part in Traditionally the first shot goes to Rasmus And then, the second goes to us Cheers An einem kalten Dezember-Vormittag in Elsfleth wird dem Käpt’n und seiner Crew wieder klar: Das Abenteuer Frachtsegler geht weiter Nur wann es losgeht, das steht weiter in den Sternen And now we carry on Im Mai sind wir hier weg, aber bis dahin ist noch viel Arbeit Das ist jetzt ein Super-Meilenstein Jetzt sieht man was Jeder, der hier gearbeitet hat, sieht auch was Den ganzen Mist, Rost kratzen, da oben schleifen und machen und tun Da steht’s! Das kannste anfassen Das ist ein tolles Erfolgserlebnis für alle Für mich natürlich auch Copyright Untertitel: NDR 2016

You Want To Have Your Favorite Car?

We have a big list of modern & classic cars in both used and new categories.