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Eine neue Liebe – Hanne hat sie gefunden Und wie alt ist er? – (lacht:) Jünger als ich Oh! – Oh! Aber keine falschen Verdächtigungen! Hannes Glück heißt Peter “Ich bin seit etwas über einem Jahr Witwer und sehne mich nach einer zärtlichen Frau.” Die beiden haben sich über eine Zeitungsannonce kennengelernt Beim ersten Date war Peter 68 und Hanne 70 Wir haben uns begrüßt, wir haben uns umarmt “Guten Tag!” – “Tag!” – Ich hab sie in den Arm genommen Und wir waren so, als wären wir jahrzehntelang schon zusammen (Sie lachen.) Man kennt seine Mutter ja nicht so verliebt Kennt man doch nicht So verliebt, dass Hanne schon nach ein paar Monaten beschließt, zu Peter zu ziehen – von Stuttgart an die Ostsee Peter, pass auf die Mam auf! – Ja (Melancholische Musik, Schluchzen) Ein Einschnitt, ein Wagnis Ein Neuanfang mit 70 Kann das gutgehen? (Ruhige Klaviermusik) Aber der Reihe nach Die Geschichte von Hanne und Peter beginnt ein paar Monate zuvor Im hohen Norden, an der Ostsee “Hallo, liebe Unbekannte.” “Wie kommt eine Frau aus Süddeutschland in das Flensburger Tageblatt?” (Möwenrufe, ruhige Musik) “Da ich sehr tierlieb und viel in der Natur bin, würde ich Sie gerne näher kennenlernen.” “Ich bin seit etwas über einem Jahr Witwer, sehne mich vor allem abends, wenn man alleine ist, nach einer zärtlichen Frau.” (Ruhige Klaviermusik) “Mein allergrößtes Hobby ist die Rettungshundearbeit.” “Ich bin Leiter einer Rettungshundestaffel in Flensburg.” “Ich würde mich sehr über eine Nach- richt mit Foto von Ihnen freuen.” (Ruhige Klaviermusik) “Viele liebe Grüße aus dem hohen Norden sendet Ihnen ein noch unbekannter Verehrer.” (Vogelzwitschern) Was der unbekannte Verehrer aus dem Norden nicht wusste: Die attraktive Dame aus dem Süden hatte die Kontaktanzeige gar nicht selber aufgegeben Eine Freundin von Hanne hatte dem Zufall auf die Sprünge geholfen Ja, das Ganze fing an, als meine Freundin per Telefon sagte: “Hanne, ich geb für dich eine Annonce auf, hier in Flensburg.” In Schleswig-Holstein Und da hab ich gedacht: “Lass mich damit in Ruhe, das will ich nicht!” “Doch”, sagt sie, “du bist nur am heulen” “Du bist nur am heulen, das hat keinen Zweck mehr.” Und da hab ich 23 Zuschriften gekriegt von Männer in meinem Alter, die also auch alleine waren Ob’s auch immer stimmt, weiß man nicht Hab aber alle weggeworfen, weil viele dazwischen waren, die ein bisschen sehr intim waren Und dann hab ich einen Brief an die Seite gelegt, und das war der Brief von Peter Weil sein Bild war da drauf mit seinem Hund Und das hat mich so angesprochen, und den hab ich angerufen Grüß Gott! Und wie alt ist er? – Jünger als ich Oh! – Oh! Aber keine falschen Verdächtigungen! Der ist anderthalb Jahre nur jünger Ich sag immer: “Du junger Spund!” Und als Peter dann kam Peter steigt aus, mein Hund tänzelt um uns rum Wir haben uns begrüßt, wir haben uns umarmt “Guten Tag!” – “Tag!” – Ich hab sie in den Arm genommen Und wir waren so, als wären wir praktisch jahrzehntelang schon zusammen. Ja Und dann ist er nach oben Ich hab gesagt, mein Gulasch ist mittlerweile schon zerkocht

und alles zusammengefallen, er soll zuerst essen Wir haben uns gegenüber gesessen, haben uns immer taxiert Und ich hab gedacht: Oh Gott, wie findet der mich? Oh Gott – dachte ich – hoffentlich kommt er nicht so nah, dass er die ganzen Falten sieht Und ja, nachdem wir dann hier waren, fertig waren mit dem Essen und so was und wir uns halt ein bisschen unterhalten haben und die Zeit dann zum Schlafengehen war Das kann man gar keinem Menschen sagen! Ich hab gefragt: Ja, wo übernachtet er denn jetzt? Das war ein Drama Ja, wo übernachtet er? Ich hab ihm angeboten: Hotel, Couch oder Bett Und ein Bett ist immer bequemer als die Couch Also hab ich das Bett genommen Diese zwei Tage – waren eigentlich nur anderthalb Tage -, die haben dazu beigetragen, dass wir gesagt haben: “Ja, wir mögen uns, wir bleiben wohl immer zusammen.” (Lachen) Lebst du noch? Hast du Schmerzen? (Ruhige Klaviermusik) Wie hast du es denn überstanden? – Gut (Er lacht.) (Ruhige Klaviermusik) (Leises Stimmengewirr) (Sie lachen.) Was hast du einen schönen Mund! So richtig einen schönen Mund hast du! Lloret de Mar – Nachtclub Das werden wir begutachten – Ja, guck einmal Sieht gut aus! (Hanne lacht.) Das bin ich Mhm – Mhm Ja, du bist doch schick! Da war ich auch noch jung und knackig Für immer zusammen bleiben: Den Rest ihres Lebens wollen sie gemeinsam verbringen Und damit fängt diese Geschichte erst so richtig an Wenn ich so wie jetzt am 15 erst mal alleine zurückfahr, dann fehlt wieder jemand, obwohl man genau weiß, es sind nur ein paar Tage oder so was Aber das macht einem schon Kopfzerbrechen Ja, und ich find, das sagt ja schon eigentlich alles, wenn man wegen ein paar Tagen schon Kopfschmerzen kriegt und so was Dann passt das eben alles zusammen Nicht? Das ist so Wir nehmen die Zeit, wie sie jetzt kommt Wir genießen – Ja! Wir haben uns ein schönes Haus gemietet, das jetzt renoviert wird Das neue Leben fängt in Glücksburg an Ja. Ja – Genau! Doch nicht alle sind davon begeistert Das ist Peters Haus jetzt, dann ziehen wir da rüber Mhm Und so sehen wir genau den Blick auf die See, also auf die Ostsee Da bin ich wirklich gespannt! Das ist dann mitten in der Knüste Das ist Glücksburg Das ist von Dachtel nach Aidlingen vier Kilometer. – Es ist ‘ne Knüste! Von hier nach da sind’s vier Kilometer Man kann sogar rübergucken, weil kein Berg dazwischen ist Das hab ich ja gesagt: Skeptiker durch und durch Das ist ökologisches Brachland Du hast keine Ahnung – und davon recht viel Eigentlich traurig, ne? Dass der Sohn einem keinen Mut macht. Ne? Na ja (Möwenrufe) (Schiffshorn) Im Norden trifft Peter erste Vorbereitungen für den Umzug Zu Besuch: seine Tochter Soll ich dir was zu schreiben geben? – Nee Ich fahre am 20 mit Uhu und Bernd runter. – Ja Nach Stuttgart Am 23. kommen wir zurück Mhm – Und am 24. packen wir aus Dann müsste Max hier sein Hat er überhaupt noch Schule? – Der hat jetzt schon keine Schule Gut, dann kann er ja herkommen Also ich hab erst die Fotos nur gesehen, ja Als ich das eine Mal hierherkam, war schon so ein bisschen Man kommt rein, erst mal ist alles umgeräumt Hab ich gedacht: Okay, das ist nicht schlecht, das erinnert weniger an die Zeit, die er mit meiner Mama zusammen war Und dann aber: an jeder Ecke ein Foto! Ungewöhnlich ist es dann so, wenn man so daneben sitzt

und dann fängt das Gekuschel an oder Küsschen hier, Küsschen da Das kannte man von den Eltern nicht mehr so Das ist dann irgendwo eingefahren nach so und so vielen Jahren Denk ich: Och, eigentlich ja niedlich Ein paar Tage später: Es geht los Hanne packt Oi, oi, oi! Ihr habt alle Hunger, gell? Ha, ja So, das muss jetzt reichen, denk ich. Oder? Dann tu ich das mal weg Kannst du mir mal den kleinen roten Schraubenzieher geben? Wo ist der? – In der Küche (Telefonklingeln) Ein kleiner runder? Roter! Hallo, mein Schatz Ja, ich hab dich nicht vergessen Ja, Schatz Doch, du interessierst mich immer noch! Und hast du was zu Mittag gegessen? Also man kennt seine Mutter ja nicht so verliebt, oder? Das kennt man doch nicht Und er ist ja ein herzlicher Typ, kann man ja nichts sagen Und was so süß war: Er hat um die Hand meiner Mutter bei mir angehalten Ob ich denn damit einverstanden wär Als ob ich sagen würde: Nö! Mam? So! – Thorsten, ich weiß, dass du schon nach Hause pressierst Ja, um zwei fahr ich so oder so Aber das kannst du heute bei mir nicht bringen (Sie ächzt.) (Möwenrufe) Auf – Zum Wohl! Auf deinen Umzug – Auf einen gelungenen Umzug Den wir dann über die Bühne bringen werden Bernd, Peters bester Freund, wird mitkommen nach Stuttgart – zum Kistenschleppen. – Hannelore hat ein Glück, dass sie hierher darf Mit diesem schönen Ausblick (Möwenrufe, Wasserrauschen) Ja, gut, sie wird aber auch nicht den ganzen Tag am Strand chillen und übers Wasser gucken – Nee, das nicht Der Alltag wird euch sicher irgendwann einholen Ja, aber es ist halt alleine schon, wenn du den Blick vom Wohnzimmer hast, egal, wo du stehst – du guckst ja immer hier auf die Pfeiler raus Und das ist schon Ich mein, ich find das prima Aber mutig. Mutig find ich das auch – Ja Die Familie da so zurückzulassen Für sie ist das ein großer Schritt Ihr ganzes Leben lang dort verbracht Oder wenn es mal kommt, was bestimmt auch mal vorkommt, dass ihr … Ihr werdet nicht immer nur die Verliebten sein. – Nein Nicht immer nur Sonnenschein, es wird ja auch mal kriseln Dann hat sie Ja, gut, es gibt Telefon Aber dann kann sie nicht mehr eben zu ihrer Tochter (Möwenrufe) Bei Hanne muss alles raus Endgültig Und jetzt hoffen wir halt, dass sie da oben glücklich wird, wenn sie da unten alles aufgibt Wir haben ihr gesagt, wir würden es nicht machen Aber das ist ihr Problem (Belebte Klaviermusik) (Die Männer unterhalten sich leise.) Wir sind nicht mehr die Jüngsten – Ja, eben Hier sind ein Haufen Bücher, die entsorgen wir auch Oi, oi, oi! (Belebte Klaviermusik, leises Stimmengewirr) Die Schrauben so rum … Hach! (Lachen) Ich kann nicht sehen, wo ich hintrete Oh, hast du das gesehen? – Jaja Wir brauchen sie da nicht … Oje (Belebte Klaviermusik, leises Stimmengewirr) Langsam – Gut Ein Abschiedsbesuch steht noch an Abends um neun geht das Telefon, war die Feuerwehr am Apparat

und sagte zu mir: “Ich hab das Handy Ihres Mannes und möchte Ihnen nur sagen, Ihr Mann hat einen kleinen Unfall gehabt.” “Es hat auf dem Boot gebrannt.” Und da war ich eigentlich noch gar nicht beunruhigt Und da sagten die zu mir: “Wollten Sie Ihren Mann sprechen?” Ich sag: “Ja, natürlich, wenn er kann.” Und dann kam er und sagt: “Ach, Hannechen, ich bin jetzt ein bisschen verbrannt.” “Ich geh jetzt ins Krankenhaus nach Biograd.” Ich hab aber nicht mit gerechnet, dass er stirbt (Sie schnieft.) Aber irgendwann muss man einfach sagen: Das Leben geht weiter Und man kann nicht mitsterben, das geht nicht Wir beide haben wirklich fast zum gleichen Zeitpunkt unsere Partner verloren praktisch Ich glaub, das muss man dann auch verdrängen ein bisschen Mhm Wünsch ich dir alles … Gute! Ja, Mam Peter, pass auf die Mam auf! – Ja (Sie schluchzt.) (Melancholische Musik) 800 Kilometer nach Norden Für Hanne ein gewaltiger Sprung in ein neues Leben (Melancholische Musik) (Ächzen) (ächzt:) Ach, ich kann Toll! – Ja Super! Vorne gefällt mir’s ganz arg! Traumhaft! Und hier, guck mal, Hanne! Aber das reicht uns zehnmal (Sie lacht.) Ehrlich Willkommen zu Hause! (Sie lachen.) Mein Schatz! (Ruhige Klaviermusik) (Möwenrufe, ruhige Klaviermusik) Wenn du jetzt genau grade aus rüber guckst, das ist Bockholm Wo das Boot ist? – Ja, genau Ja. Dann sind wir bald zu Haus Du kriegst einen nassen Hintern (Sie lacht laut.) (Ruhige Klaviermusik) Mach dich nackig! (Ruhige Klaviermusik) (Möwenrufe) Ein paar Wochen später Hannes Sohn Thorsten ist Lkw-Fahrer (Motorenrattern) Er macht sich Sorgen Ich denk, die hat das nicht kapiert, dass sie weiter weg ist als gedacht Dass man da nicht geschwind übers Wochenende kommt Dass sie dann da oben mehr oder weniger auf sich gestellt ist Das Haus ist weg, Freunde sind weg

Kinder sind weg Man hat nur noch telefonisch Kontakt Aber ich komm auf jeden Fall nicht da runter Es ist mir zu weit (Vogelzwitschern) “Da unten” hat inzwischen so etwas wie Alltag begonnen Ah, scheiße! Hanne gibt alles, um es für Peter und sich besonders gemütlich zu machen (Vogelzwitschern) (ruft:) Peter, du musst mir mal kurz helfen! (Vogelzwitschern) Mensch, wo bleibt er denn bloß? Peter! – Was? Helfen! (Er ächzt, Vogelrufe.) Schmeiß einfach nur hierhin Ich wollte diesen Stunken hier weghaben, weißt du? – Wo? Dieses Ding weg (Er atmet schwer.) Uff! Ich wollte mich eigentlich gar nicht so betätigen heute Hier Da oben hängt auch noch einer Da oben, unterm Dach direkt Nee, weiter vor, zur Lampe hin Zur Lampe hin. Jetzt Noch weiter vor So, jetzt! Jetzt ist er weg (Er ächzt.) Ich bin die Putzfrau Weißt du was? Du bist eine Mimose Ich bin eine Mimose? – Ja, das bist du Oh, Mann! (Belebte Klaviermusik) Das ist doch zum Kotzen! Ach, das Leben könnte so unkompliziert sein Männer nerven manchmal! Männer sind einfach ein bisschen träge Ich glaub, er hat sich ein Rentner- leben vorgestellt von Nichtstun Nein, nicht mit Nichtstun, das stimmt nicht. Das gibt’s nicht Aber … man kann auch alles in Maßen machen Ja. Ich kann halt das einfach nicht Ich muss einfach in Bewegung bleiben. Es ist so Aber da muss er mit leben – In Bewegung bleiben heißt nicht, dass man nur noch arbeitet oder was, das ist nicht in Bewegung bleiben Na ja – Andersrum ist es so: Du sagst, du lernst hier nix kennen oder so was Können wir nicht, weil wir nicht wegfahren können, weil im Garten Unkraut ist oder sonst irgendwas Das kommt. Das kommt – Nicht? Wenn alles durchgearbeitet ist – Wenn alles durchgearbeitet ist, dann fängst du hier oben wieder an Nicht? So ist es doch – Das machen aber andere auch Ja, aber die fahren trotzdem mal am Sonntag weg Guck mal: Unkraut, Unkraut, Unkraut! – Ja Das ist so – Man muss aber Wer rastet, der rostet – Nein! Man muss einfach mal fünf egal sein lassen können Das ist das, was ich eigentlich vermisse. – Aha (Belebte Musik, Möwenrufe) Während andere ihr Rentnerleben genießen und Urlaub an der Ostsee machen, schuftet Hanne immer weiter – bis zum Umfallen Im wahrsten Sinne Das war ein Scheißtag, muss ich echt sagen Ich weiß noch, dass Bernd mich immer anguckte und sagte Irgendwie hat man mir nachher das gesagt, ich weiß es nicht, wer: “Die Hanne kippt gleich um.” Und da lag ich auch schon Die Nachbarn haben mir nachher gesagt, Peter war total neben sich Und ich wollt immer auf, damit er sieht: Ich bin ja gar nicht so schlecht drauf Ich wollte nur, dass er das Gefühl hat: Es ist nur ein Schwächeanfall War er ja im Grunde auch nur, aber ein totaler Schwächeanfall Ich hätt solche Angst gehabt, den Peter allein lassen zu müssen

Grad eingezogen, und dann sollst du gehen? Nee Du bist ja hier, ne? Hm? (Er lacht leise.) Ist ja gut, Schatz Hm? Ist ja gut (Vogelzwitschern) Derweil im Süden Thorsten checkt mal eben die Wetterlage bei seiner Mutter Glücksburg: bewölkt, 24 Grad Montag Regen, 25, Dienstag bewölkt, 22 Grad – herrlich 22 Grad! Mittwoch, Sonne und Wolken, 22 Grad Und am Donnerstag haben sie schon wieder 19 Grad Aber das ist noch ein altes Holzschiff? – Ja Ist ja sagenhaft (Handyklingeln) Telefon – Du bist das Da. Hältst du mal? (Handyklingeln) Ja? Ja, Mensch! Thorsten, das Ach! Eben, die hast du Ach du Scheiße! Ach du Scheiße! Ach nee! Nee! Nee, wirklich nicht Du bist ein Klüngelkopf, das ist es (Telefonklingeln) Für dich Sag doch nicht von vornherein: für mich. – Ist aber Thorsten Dann kann’s nur für dich sein – Hallo, Thorsten Grüß dich Ach, Thorsten Ich kenn das nicht so, dass ständig die Kinder drei-, vier-, fünfmal am Tag anrufen Ist bei mir nicht – Was? Ich versteh nix mehr Ich versteh nix mehr. Hallo? Thorsten, ich mach Schluss Ich hab jetzt keine Zeit mehr, wenn du mich verstehst. Tschüss! Hat er nix anderes zu tun? (Donnern, Möwenrufe) Echtes Schietwetter! Zeit, mal was für die eigene Gesundheit zu tun (Belebte Musik) Sie dürfen gerne überholen, wenn das zu eng wird Nutzen Sie das ganze Becken! (Belebte Musik) Okay, die Hände auf die Knie nehmen Nach vorne Wieder die Fußspitzen anziehen Und zur Seite Okay, dann versuchen Sie, die freie Hand nach oben zu nehmen Eine aufs Knie und die andere nach oben Und das wollte ich eigentlich nicht mehr Aber im Nachhinein hast du gesagt: Es war gut Ja, aber ich mach’s nur, weil du dahin möchtest. – Mhm Ich hätt’s nicht gemacht jetzt – Mh Und das hat der Arzt gesagt: Das hätte ich nicht gebraucht Also, natürlich braucht man so was! Ja, ich nicht. Bin ja topfit (lacht:) Oh-oh-oh! Mh Ja, … ich bin da nicht so für Wenn ich schwimmen will oder baden gehen will, geh ich baden und wenn nicht, dann nicht Das ist ja kein Schwimmen und nicht Baden, das ist Gymnastik – Darum ja! (Vogelzwitschern) Du musst mir da schon meine eigene Meinung zugestehen Mach das – Ja Auf den Winter bin ich gespannt Wenn so ein Sturm kommt da oben (Blinker) Was willst du dann machen? Aus dem Fenster gucken? Dann sind die Touristen weg, dann sind noch drei, vier Leute im Dorf Ob sie’s da nicht im Kopf kriegt? (Saugen) Das Thema Thorsten lassen wir vor aus, das möchte ich gar nicht Nee, Kartoffeln brauchst du nicht schälen, das kann ich alleine

Wir hatten halt Besuch Und da hat er halt zwei-, dreimal angerufen und sie hat ihn gebeten, an einem anderen Tag anzurufen, wenn der Besuch weg ist Na ja, dann hat er auf den Anrufbeantworter gesprochen, dass sie ihn nicht mehr anrufen braucht, weil sie andere, fremde Leute eben vorzieht Merkwürdig, dass er uns praktisch als Fremde Denn es waren keine fremden Leute hier, meine Kinder waren hier Und … es waren ja keine Fremden Und dann ist das schon merkwürdig, wenn er sich so äußert da drüber, nicht? Thorsten hat mich gekränkt, und ich lass mich nicht kränken Ich bin 72, da muss ich mich nicht von einem Schnösel – in meinen Augen -, dem ich die Windeln gewechselt hab, so behandeln lassen Aber dass er sagt, du darfst nicht mehr anrufen, du brauchst gar nicht mehr anrufen, das ist heftig Vielleicht versucht er auch durch dieses Verhalten, dass sie dann eventuell wieder zurückkommt oder was Ich weiß es nicht Gut, wir haben einen dabei, dem das nicht so ganz passt Es wär bei mir auch nicht anders gewesen Wenn einer von beiden gesagt hätte, das will ich aber nicht, ja, dann müssen sie wegbleiben Ist einfach so Das ist unser Leben, und das werden wir leben Und da wird uns auch ein Thorsten oder irgendjemand anders von unseren nicht davon abhalten Ne? Das ist einfach so (Möwenrufe, Wasserplätschern) (Wind pfeift.) Der Winter kommt, und Peter ist nun öfter unterwegs – mit seiner Rettungshundestaffel (Lachen, Stimmengewirr) Hallo, Peter! – Hi! (Er gibt dem Hund Anweisungen.) (Peter ruft etwas.) Super! Toll! Klasse! Na komm! Na los! (Pfeifen) Hanne ist allein zu Haus Und in den umliegenden Ferienhäusern wohnt nun auch kein Mensch mehr (Wind pfeift, Wasserplätschern.) (Hundegebell) Peter? An diesem Abend lässt Peter besonders lange auf sich warten Ist noch nicht da Er ist noch nicht da (Wind pfeift.) Zeit, in Erinnerungen zu kramen Bilder, Bilder, Bilder Alles Vergangenheit, nicht? Das ist mein Mann Ich werde in Werners Grab kommen Das ist bezahlt, das ist gemietet auf so und so viele Jahre Dann haben die Kinder ein Grab zu pflegen (Sie schnieft.) Es war ja zu schnell, ne? Es war ja keine Vorbereitung Ich hab nur zum Arzt gesagt: “Nein, ne?” Weil durch die ganzen Apparate hast du ja immer noch gedacht, er lebt Ne? Er lebt. Er war ja nicht kalt Die Apparate haben ja das Blut immer noch durchgepumpt. Ne? Das war Also ich möchte so was nie wieder mitmachen Nee. Und deswegen ist meine Angst, hier allein zu sein, wenn Peter nicht mehr wär Ich muss zurück Und komischerweise ist das im Moment so stark, das Gefühl Hauptsache, er kommt immer wieder gesund nach Hause, ne? Da hab ich eine große Angst vor

(Melancholische Musik) Das alte Leben ist nie weg Es ist immer da, wenn du es auch nicht jeden Tag auf der Zunge trägst Aber es ist immer da (Klimpern) Das musst du akzeptieren, dass sich auch einer mal um dich Sorgen macht Und da kannst du eigentlich froh sein Ich weiß, das ist vielleicht für dich eine Einengung, weil du das nicht kanntest, jemanden anzurufen und zu sagen, das und das passiert jetzt, oder in der und der Stunde komme ich Aber ich hab dir das gesagt, das erwarte ich einfach Das war von vornherein meine klare Aussage Da ich nicht wusste: Wann kommt er? Mach ich Tee? Mach ich keinen Tee? Der Tee steht jetzt noch da Ich will dir mal was sagen: Dieses Telefon hier, bald drück ich’s durch die Scheibe raus hier! Ne? Wenn ich da vor der Tür stehe oben draußen beim ASB, Tausend Mann wollen raus, ich steh davor, dann interessiert mich weder das Telefon in dem Moment Dann seh ich zu, dass ich das abgeschlossen krieg da, dass ich wegkomm, dann fahr ich nach Hause Während der Fahrt telefonieren ist nicht! So Mich hält hier weiter gar nichts außer Peter Das ist der Grund, dass ich so wahnsinnig Angst hab Was sollte mich hier halten? So kann man nicht vernünftig leben! Bitte? – So kann man aber nicht vernünftig leben Das spielt keine Rolle! Jeder Mensch ist anders Und das musst du akzeptieren Dicke Luft Hanne bespricht ihren Kummer mit einer Freundin am Telefon Kathi? Kathi, ich bin’s Im Moment ist eine Stimmung hier, du, explosiv ist die! Ich werd wahnsinnig! Ich kann das nicht mehr lange Na ja, Kathi, ich halt dich nicht auf, aber ich könnt heulen, weißt? Mh Peter muss auch mal reden – mit Bernd, seinem besten Freund Aber sie hat ihren Schritt noch nicht bereut bis jetzt? Nee, eigentlich nicht Nur was bei ihr immer ist, aber das hat sie früher auch gehabt, diese Angst, dass wenn man aus dem Haus geht, dass sie dann alleine mal irgendwann hier ist Dass mir was passiert Das ist ganz schlimm bei ihr Aber normalerweise kann ich mir auch in einer Wohnung was brechen oder kann tot umfallen oder was Aber bei ihr ist das eben so halt, dass sie da sehr viel Angst hat Ja, du bist jetzt hier oben die einzige direkte Bezugsperson, die sie hat – Für mich ist das also Ja, gut, wenn man gleich die Flinte ins Korn wirft, bringt das nix So viele Erwartungen, so viel gelebtes Leben Wie bringt man das zusammen? Ich hab mir immer gedacht, dass man das bei ihr hinkriegt Dass sie mal ein bisschen ruhiger wird oder so was Aber das kriegt man bei ihr nicht mehr raus, denk ich mal Ja, ich kann sie ja viel verstehen Und man bemüht sich ja auch Aber es ist halt auch so: Von heut auf morgen kriegt man nicht rein, dass man dauernd anrufen soll und sagt: “Ich leb noch.” Da muss man auch dran arbeiten (Schiffshorn) (Vogelzwitschern) Ein paar Wochen später: Der Winter ist auf dem Rückzug – wie die Krise bei Hanne und Peter Manchmal denk ich immer, es musste so sein

Dass ich den ruhigen Pol in meinem Leben gefunden hab Und das ist der Peter Er kann manchmal noch so genervt sein Und trotzdem: Er dreht sich um und nimmt mich in den Arm und lacht Dann ist’s gut (Vogelzwitschern) Hanne Keiner da? Hm? Wo ist sie? Aufbruchstimmung Peter will ein Zeichen setzen Und zwar hab ich da dieses Schloss geholt und machen lassen “In Liebe Hanne & Peter” Boah, ich hab ihr bestimmt schon den ein oder anderen Grund geliefert, um zu sagen: “Weißt du was? Du kannst mich mal.” Und insofern ist das schon so, dass man das – klingt so blöd – würdigen soll oder was Aber nein, es ist eine tiefe Zuneigung, und das muss man auch zeigen Ne? Mein Engelchen! Glücksburger Hochzeitsplatz Schließ das bitte auf (Vogelzwitschern) Ganz neu – So, mein Engelchen! Auf dass wir glücklich bleiben und immer zusammen bleiben Hm? – Ja (Schniefen) (Vogelzwitschern) Mal sehen, ob du so weit triffst (Peter lacht.) (Lachen) Am Ende feiern sie Alle zusammen Und will einer nur O-Saft? So, noch Frank und du noch, Conny, und Peter soll kommen Trinken nehmt euch bitte Bier ist unten Wer will jetzt was? Mam? Und da haben wir gesessen Ich will mich bedanken, dass ihr alle hier seid So haben wir diese Gelegenheit auch, jetzt diese zwei Familien so ein bisschen zusammenzuführen Und das hat man auch nicht jeden Tag, dass man halt aus zwei Familien dann eine macht. Nicht? Und ich hoffe, ihr versteht euch alle besonders gut Und ich hoffe, dass es euch gefällt hier Ihr wisst, wo eure Mutter abgeblieben ist (Lachen) Ich freu mich, dass Mutter dich gefunden hat und nicht irgendeinen (Lachen) Und ich denke, ihr geht’s auch sehr gut bei dir Und ich wünsch euch auch noch viele schöne Jahre zusammen. – Danke! Hanne und Peter: Sie haben sich gefunden – und ihren gemeinsamen Weg (Ruhige Klaviermusik, Möwenrufe) Das war fast wie eine Hochzeit Weißt du das? (Peter lacht.) Das war eine Hochzeit, mein Engel Du. Ha? (Ruhige Klaviermusik) (Heitere Musik, Anweisungen der Trainerin) SWR 2018

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